Volatilität
Was ist volatilität?
Volatilität misst die Schwankungsbreite von Wertpapierpreisen über einen bestimmten Zeitraum und wird mathematisch als annualisierte Standardabweichung der Renditen ausgedrückt. In der Finanzpraxis wird Volatilität häufig mit Risiko gleichgesetzt, obwohl diese Gleichsetzung unvollständig ist: Volatilität beschreibt die Breite möglicher Ergebnisse um einen Erwartungswert, ohne deren Richtung zu bewerten. Starke Aufwärtsbewegungen erhöhen die Volatilität genauso wie starke Abwärtsbewegungen, weshalb Volatilität kein direktes Maß für Verlustwahrscheinlichkeit ist.
Einsteiger-Block
Zwei Portfolios erzielen im Durchschnitt dieselbe Jahresrendite von 8 Prozent. Portfolio A schwankt zwischen plus 6 und plus 10 Prozent, Portfolio B zwischen minus 15 und plus 31 Prozent. Beide haben denselben Erwartungswert, aber Portfolio B hat eine deutlich höhere Volatilität. Was das für einen Anleger bedeutet, hängt vom Anlagehorizont und der persönlichen Situation ab: Wer langfristig investiert und zwischenzeitliche Kursverluste aussitzen kann, wird durch hohe Volatilität langfristig nicht geschädigt. Wer hingegen zum falschen Zeitpunkt Kapital benötigt und verkaufen muss, kann in einem Portfolio mit hoher Volatilität erheblich schlechter aussteigen, als der langfristige Durchschnittswert vermuten lässt.
Volatilität und Bandbreite möglicher Ergebnisse
Die Bandbreite basiert auf einer Normalverteilung der jährlichen Renditen. In 68 % der Fälle liegt das tatsächliche Ergebnis innerhalb der gestrichelten Linien. In 16 % der Fälle liegt es darunter.
Fortgeschrittene-Ebene
Die annualisierte Volatilität ergibt sich aus der Standardabweichung der täglichen Renditen multipliziert mit der Quadratwurzel aus 252 (der üblichen Anzahl von Handelstagen pro Jahr).
Historische vs. implizite Volatilität:
Die historische Volatilität wird aus vergangenen Kursdaten berechnet und beschreibt, wie stark ein Wertpapier in der Vergangenheit geschwankt hat. Die implizite Volatilität wird aus den Preisen von Optionen abgeleitet und spiegelt die Markterwartung für künftige Schwankungen wider. Der VDAX-New misst die implizite Volatilität für den DAX über einen 30-Tage-Horizont, das US-amerikanische Äquivalent ist der VIX.
Typische Jahresvolatilitäten:
- Kurzlaufende Staatsanleihen hoher Bonität: 2 bis 5 Prozent
- Globale Aktienmärkte (z.B. MSCI World): 12 bis 20 Prozent
- Einzelne Wachstumsaktien: 40 bis 80 Prozent
- Kryptowährungen: 60 bis 120 Prozent
Fehlinterpretation 1: Niedrige Volatilität bedeutet ein sicheres Investment. Niedrige Volatilität beschreibt ruhige Kursbewegungen, sagt aber nichts über die reale Rendite aus. Ein Sparkonto mit 0,1 Prozent Zinsen bei 3 Prozent Inflation hat nahezu null Volatilität, liefert aber garantiert eine negative Realrendite.
Fehlinterpretation 2: Hohe Volatilität ist per se schlecht. Für Anleger mit langem Zeithorizont und stabiler Einkommenssituation ist Volatilität kein Problem, solange der Anlagehorizont lang genug ist, um Drawdown-Erholungsphasen abzuwarten. Der MSCI World hat nach jedem historischen Einbruch wieder neue Höchststände erreicht.
Fehlinterpretation 3: Volatilität ist das vollständige Risikomaß. Volatilität behandelt Aufwärts- und Abwärtsschwankungen symmetrisch. Die Sortino Ratio verbessert das, indem sie nur die Abwärtsvolatilität berücksichtigt. Zudem erfasst die Standardabweichung extreme Ereignisse (Fat Tails) systematisch zu wenig.
Wer Volatilität richtig einordnet, trennt das mathematische Risikomaß vom persönlichen Verhaltensrisiko: Die eigentliche Gefahr bei hoher Volatilität liegt darin, dass Anleger in Phasen starker Kursverluste verkaufen und damit die nachfolgende Erholung verpassen, nicht die Volatilität des Marktes schädigt die Rendite, sondern die Reaktion des Anlegers darauf.