Sharpe Ratio
Was ist die sharpe ratio?
Die Sharpe Ratio misst die risikobereinigte Rendite eines Portfolios, indem sie die erzielte Überrendite gegenüber einem risikofreien Zinssatz ins Verhältnis zur Volatilität (Standardabweichung) setzt. Die Kennzahl beantwortet die Frage, ob eine höhere Rendite durch überproportional mehr eingegangenes Risiko erkauft wurde oder ob das Portfolio tatsächlich effizienter ist. Ein Portfolio mit hoher Rendite und sehr hoher Volatilität kann eine schlechtere Sharpe Ratio haben als ein Portfolio mit niedrigerer Rendite, das diese aber mit deutlich geringeren Schwankungen erzielt.
Einsteiger-Block
Zwei Portfolios erzielen jeweils 12 Prozent Rendite pro Jahr. Portfolio A schwankt dabei mit einer Volatilität von 10 Prozent, Portfolio B mit 25 Prozent. Bei einem risikofreien Zins von 3 Prozent ergibt sich für Portfolio A eine Sharpe Ratio von 0,9 und für Portfolio B eine Sharpe Ratio von 0,36. Portfolio A hat dieselbe Rendite mit deutlich weniger Risiko erzielt und ist damit effizienter. Die Sharpe Ratio macht diesen Unterschied in einer einzigen Zahl messbar und vergleichbar.
Formel: Sharpe Ratio = (Portfolio-Rendite − Risikofreier Zins) / Standardabweichung
Sharpe Ratio berechnen und vergleichen
Vergleich mit typischen Referenzportfolios
| Portfolio | Rendite | Volatilität | Sharpe Ratio |
|---|
Formel: (Portfolio-Rendite minus Risikofreier Zins) / Standardabweichung. Als risikofreier Zins gilt hier die kurzlaufende Bundesanleihenrendite. Werte über 1,0 gelten als gut, über 2,0 als sehr gut.
Fortgeschrittene-Ebene
Als risikofreier Zinssatz wird in der Praxis häufig die Rendite kurzlaufender Staatsanleihen hoher Bonität verwendet, etwa deutsche Bundesanleihen mit 3 Monaten Laufzeit oder der ESTR (Euro Short-Term Rate).
Einordnung der Sharpe Ratio:
- Unter 0: Das Portfolio hat schlechter abgeschnitten als die risikofreie Anlage
- 0 bis 0,5: Schwache risikobereinigte Performance
- 0,5 bis 1,0: Akzeptable Performance
- 1,0 bis 2,0: Gute Performance
- Über 2,0: Sehr gute Performance, die sich selten dauerhaft aufrechterhalten lässt
Fehlinterpretation 1: Eine hohe historische Sharpe Ratio prognostiziert gute Zukunftsperformance. Die Sharpe Ratio ist rückwärtsgewandt und basiert auf historischen Daten. Strategien mit hohen Sharpe Ratios in bestimmten Marktphasen können durch spezifische Marktbedingungen begünstigt worden sein, die sich nicht wiederholen. Insbesondere Short-Volatility-Strategien zeigen in ruhigen Märkten sehr hohe Sharpe Ratios, bis ein Crash alle aufgelaufenen Gewinne in kurzer Zeit vernichtet.
Fehlinterpretation 2: Ich sollte immer das Portfolio mit der höchsten Sharpe Ratio wählen. Die Sharpe Ratio maximiert die Effizienz pro Risikoeinheit, nicht die absolute Rendite. Ein Anleger mit langem Zeithorizont und stabiler Einkommenssituation kann eine höhere absolute Rendite gegenüber einer höheren Sharpe Ratio bevorzugen, weil er sich höhere Volatilität leisten kann.
Fehlinterpretation 3: Die Sharpe Ratio ist das beste Risikomaß. Die Sharpe Ratio verwendet die Standardabweichung, die Aufwärts- und Abwärtsschwankungen gleich behandelt. Die Sortino Ratio behebt das, indem sie nur die Abwärtsvolatilität berücksichtigt. Zudem erfasst die Standardabweichung fat-tailed Renditeverteilungen nicht vollständig.
Wer die Sharpe Ratio als Vergleichswerkzeug begreift, verwendet sie für eine wichtige Normierungsaufgabe: Zwei Fonds, die beide 8 Prozent erzielen, sind nicht gleichwertig, wenn einer davon die dreifache Volatilität des anderen aufweist. Die Sharpe Ratio macht diesen Unterschied sichtbar und erlaubt eine sachliche Beurteilung jenseits des reinen Renditevergleichs.