Rebalancing
Was ist rebalancing?
Rebalancing: Verkaufen was gut lief, kaufen was zurückblieb
Rebalancing ist das Wiederherstellen einer Ziel-Asset-Allokation. Wenn Aktien 30 % gestiegen sind und Anleihen 5 %, hat ein ursprünglich 70/30-Portfolio jetzt vielleicht 77/23, mehr Aktienrisiko als gewollt.
Rebalancing verkauft Aktien und kauft Anleihen zurück auf 70/30. Das erzwingt ein kontraintuitives Verhalten: Verkaufen was gut lief, kaufen was zurückgeblieben ist. Langfristig erzeugt genau das einen messbaren Renditeeffekt.
Der psychologische Trick: Verkaufen im Crash
Dein Portfolio soll 80 % Aktien, 20 % Anleihen halten.
- Nach Bullenmarkt: 88 % Aktien, 12 % Anleihen → Du verkaufst Aktien, kaufst Anleihen zurück auf 80/20
- Nach Crash: 72 % Aktien, 28 % Anleihen → Du kaufst Aktien, verkaufst Anleihen zurück auf 80/20
Du kaufst also günstig und verkaufst teuer, automatisch, als Nebenwirkung der Allokations-Disziplin.
Das ist das Gegenteil von dem, was die meisten Investoren tun (günstig verbieten, teuer kaufen).
Ohne Rebalancing
13.500 €
Drift-Effekt
Mit jährlichem Rebalancing
13.200 €
Disziplin
Rebalancing-Effekt
300 €
Selling Pressure
Rebalancing-Paradox: Diszipliniertes „kaufe niedrig, verkaufe hoch" bedeutet, systematisch die beste Performance zu begrenzen.
Vorteil: Risikokontrolle und emotionale Disziplin bleiben wichtiger als der Return-Drag.
Die Mathematik des Rebalancing-Bonus
Der Rebalancing-Gewinn ist größer, wenn:
- Asset-Klassen mean-revertierend sind (Auf Bullenphasen folgen Korrekturen)
- Asset-Klassen niedrig korreliert sind (Sie bewegen sich unterschiedlich)
- Volatilität hoch ist (Größere Schwankungen = mehr “buy low, sell high”-Chancen)
Formel (vereinfacht): Rebalancing-Rendite ≈ 0,5 × σ²_Aktien × (1 − Korrelation_Aktien_Anleihen)
2022 war z.B. ein schlechtes Rebalancing-Jahr, weil beide Aktien und Anleihen fielen gleichzeitig (hohe Korrelation). Der Bonus war praktisch null.
Rebalancing-Frequenz: Weniger ist oft mehr
| Frequenz | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Monatlich | Mehr Chancen | Hohe Transaktionskosten |
| Jährlich | Fast so effektiv wie monatlich | Weniger Kostenaufwand |
| 5-Jahres-Schwelle | Nur wenn Abweichung > 5 % | Minimalkonzept, aber bewährt |
Praktische Empfehlung: Jährliches Rebalancing ist fast so effektiv wie quartalsweise, mit deutlich weniger Transaktionskosten und Steuerereignissen.
Δ-Moment: Mechanik statt Emotionen
Wer Rebalancing versteht, legt die Regeln vorab fest, und handelt mechanisch statt emotional.
Das “Kaufen im Crash” passiert dann von selbst, ohne Überwindung. Du führst nur ein Regelbuch aus.