Günstigerprüfung
Wann lohnt sich die günstigerprüfung?
Die automatische Steuersatz-Optimierung vom Finanzamt
Die Günstigerprüfung ist ein automatischer Antrag in der Steuererklärung: “Besteuere meine Kapitalerträge mit meinem persönlichen Einkommensteuersatz statt mit dem pauschalen Abgeltungsteuersatz von 25 %.”
Das Finanzamt wählt automatisch die günstigere Variante. Sie lohnt sich immer dann, wenn dein persönlicher Steuersatz unter 25 % liegt, was bei niedrigem Gesamteinkommen der Fall ist:
- Studenten
- Rentner mit kleiner Rente
- Eltern in Elternzeit
- Teilzeitbeschäftigte
Ein konkretes Beispiel
Szenario: Du hast 3.000 € Kapitalerträge im Jahr (nach Freibetrag)
| Variante | Berechnung | Steuern |
|---|---|---|
| Abgeltungsteuer | 3.000 € × 25 % | 750 € |
| Günstigerprüfung (18 %) | 3.000 € × 18 % | 540 € |
| Ersparnis | 210 € |
Das Finanzamt führt diesen Vergleich durch, du musst nur den Antrag stellen (Anlage KAP, Zeile “Günstigerprüfung beantragen”).
Ausschüttungen (sofort besteuert)
45.000 €
Nach Steuern
Thesaurierung (aufgeschoben)
48.000 €
Nach Steuern
Steuer-Vorteil
3.000 €
Thesaurierung besser
Hinweis: Die Günstigerprüfung vergleicht die Besteuerung von Gewinnen sofort (Ausschüttung) vs. aufgeschoben (Thesaurierung). Thesaurierung gewinnt, weil der Zinseszinseffekt die Steuerstundung überwiegt.
Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag verschieben die Schwelle
Die Break-Even-Grenze liegt normalerweise bei 25 %. aber:
- Mit Kirchensteuer (8 %): Effektive Abgeltungsteuer ~27 %
- Mit Solidaritätszuschlag: Effektive Abgeltungsteuer ~26,375 %
- Mit beidem: Effektive Abgeltungsteuer ~28,1 %
Das heißt: Auch mit 26–27 % Grenzsteuersatz kann sich die Günstigerprüfung lohnen.
Wichtige Einschränkung: Alles-oder-Nichts-Regel
Wenn du die Günstigerprüfung beantragst, musst du alle Kapitalerträge in der Steuererklärung vollständig angeben:
- ✓ Gewinne aus ETF-Verkäufen
- ✓ Vorabpauschalen
- ✓ Zinsen aus Tagesgeldkonto
- ✓ Versicherungserträge
- ✓ Fondsausschüttungen
Du kannst nicht selektiv nur manche Erträge einbeziehen. Entweder alle oder keine.
Das kann bei komplexen Portfolios aufwändig sein, zahlt sich aber oft aus.
Δ-Moment: Jedes Jahr neu prüfen
Wer die Günstigerprüfung kennt, prüft sie jedes Jahr bei Steuererklärungen mit niedrigerem Einkommen.
Besonders in Jahren mit:
- Elternzeit
- Studium
- Teilzeit-Wechsel
- Sabbatical
sind mehrere hundert Euro Steuererstattung möglich, mit einem Kreuz auf einem Formular.