FIFO-Methode
Was ist die fifo methode bei etfs?
Die FIFO-Methode (First In, First Out) ist die gesetzlich vorgeschriebene steuerliche Verkaufsreihenfolge für Wertpapiere in Deutschland (§ 20 Abs. 4 EStG). Wenn du Anteile an einer Position verkaufst, gilt für die Abgeltungssteuer zwingend, dass die ältesten gekauften Anteile zuerst veräußert werden. Bei langfristigen ETF-Sparern trifft das genau jene Anteile mit dem historisch niedrigsten Kaufkurs, und damit dem größten steuerpflichtigen Buchgewinn.
Einsteiger-Block
Du besparst seit zehn Jahren monatlich denselben Welt-ETF. Zu Beginn hast du einen Anteil für 50 € gekauft. Letzte Woche kostete ein Anteil 100 €. Heute steht der Kurs bei 120 € und du möchtest 5 Anteile verkaufen. In deinem Kopf verkaufst du die 5 Anteile aus der letzten Woche (20 € Gewinn je Anteil = 100 € Gesamtgewinn). Das Finanzamt sieht das anders: Es besteuert zwingend deine 5 ältesten Anteile - also die aus dem ersten Kauf. Gewinn je Anteil: 70 €. Gesamtgewinn: 350 €. Steuerlast: dreieinhalbmal höher für denselben Bargeldbetrag.
FIFO vs. alternative Methoden im Überblick
| Methode | Prinzip | Ergebnis beim Teilverkauf | Rechtsstatus Deutschland |
|---|---|---|---|
| FIFO | Älteste Anteile zuerst | Höchster Buchgewinn → höchste Steuer | Gesetzlich vorgeschrieben |
| LIFO | Neueste Anteile zuerst | Niedrigster Buchgewinn → niedrigste Steuer | Für Steuerzwecke verboten |
| Mischkurs | Durchschnittspreis | Mittlere Steuerlast | Steuerlich irrelevant |
Deutschland lässt bei Fonds und Aktien gleicher ISIN innerhalb eines Depots keinen Gestaltungsspielraum. Was zuerst gekauft wurde, kommt zuerst raus.
Der FIFO-Mechanismus in der Praxis
Wer monatlich denselben ETF bespart, kauft Jahr für Jahr zu unterschiedlichen Kursen. Mit zunehmender Haltedauer wächst in den ältesten Anteilen ein enormer Steuerstau. Die durchschnittliche Renditedarstellung in der Broker-App zeigt einen Mischpreis, für das Finanzamt ist dieser jedoch bei Teilverkäufen vollkommen irrelevant.
Die 2 größten Fehler im Umgang mit FIFO
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Rebalancing ohne Depot-Management: Wer aus einer einzigen Position für ein Rebalancing verkauft, löst den vollen Steuerhammer auf seine älteste Rendite-Position aus. Umschichtungen verursachen durch FIFO sofortige, teure Steuerabgänge.
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Immer denselben ETF besparen: Wer über 20 Jahre stets denselben ETF mit derselben ISIN kauft, baut einen riesigen Steuerstau im ältesten Topf auf. Im Entsparen zahlt er überproportional hohe Steuern. Die legale Lösung: Depot-Splitting. Nach 5–10 Jahren Sparplan in einen neuen ETF mit anderer ISIN wechseln (z. B, von iShares auf Vanguard MSCI World). Beide ETFs verfolgen denselben Index, aber das FIFO gilt jetzt separat pro Topf. In der Entnahmephase kann der jüngere, steuerlich günstigere Topf zuerst aufgelöst werden.
Praktische Implikation
Nutze für langfristige Auszahlungsstrategien bewusstes Depot-Splitting: Wenn ein ETF-Topf auf ca. 50.000 € angewachsen ist, stoppe den Sparplan auf diese ISIN und starte ihn neu auf einen ETF desselben Index von einem anderen Anbieter. Du bleibst vollständig investiert. hast aber künftig zwei separate FIFO-Stapel, aus denen du im Ruhestand den steuerlich günstigsten zuerst auflösen kannst.
FIFO diktiert heimlich die Entnahmestrategie jedes Langfristanlegers in Deutschland. Wer die Spielregel nicht kennt, erlebt im Ruhestand einen Steuerschock: Die ersten Verkäufe sind am teuersten, die letzten am günstigsten. Der Moment der Erkenntnis kommt beim Aufbau mehrerer isolierter Depots mit verschiedenen ISINs, das ist legales LIFO durch die Hintertür.